Der Fachkräftemangel ist in aller Munde. Es fehlen den deutschen Unternehmen in vielen Regionen bereits heute erhebliche Fachkräfte, die der Arbeitsmarkt nicht bereitstellen kann. Dies führt in Unternehmen zu einer Wachstumsbremse und zu veränderten strategischen Entscheidungen. Bei Investitions- bzw. Standortentscheidungen zählt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sowie für Großunternehmen neben bisherigen Standortkriterien wie Infrastruktur, Größe und Kosten von Gewerbeflächen,  Gewerbesteuerhebesätze etc. auch die Arbeitsmarktsituation in der jeweiligen Region eine entscheidende Rolle. In Kreditgesprächen für Investitionsfinanzierungen erfragen Bankberater, ob die Unternehmen die für ein Investitionsvorhaben benötigten Mitarbeiter auch bekommen können, da das Investment ansonsten nicht plausibel umsetzbar erscheint.

Doch der heute schon existierende Mangel an fachlich qualifizierten Mitarbeitern wird in den kommenden Jahren nicht der einzige Mangel sein, mit dem die Wirtschaft kämpfen muss. Es stehen vermehrt Generationswechsel in Unternehmen an, für die keine ausreichende Zahl an fachlich und kaufmännisch geeigneten Firmenlenkern zur Verfügung steht. Aufgrund der hohen Nachfrage an guten Fachkräften sind von den als Unternehmensnachfolger geeigneten Personen immer weniger bereit, sich den Belastungen einer Selbständigkeit  auszusetzen. Die finanziellen Risiken sowie die operative Beanspruchung sind für viele nicht mit ihrer persönlichen work-life-balance vereinbar.

Zudem können viele gut aufgestellte Unternehmen von potentiellen Existenzgründern nicht übernommen werden, weil (teilweise hohe) Kaufpreise für gut positionierte Unternehmen nur schwer von den Übernehmern finanzierbar sind. Die wenigsten Existenzgründer verfügen schon über ausreichendes Privatvermögen, um die Eigenkapitalanforderungen von Banken zu erfüllen. Insofern kommt eine große Finanzierungshürde zu den vorgenannten Hemmnissen hinzu. Zwar gibt es im Finanzierungsportfolio einige Bausteine wie z. B. Beteiligungskapital, Bürgschaften der öffentlichen Hand, Verkäuferdarlehen etc. die zu einem intelligenten Finanzierungsmix  zusammengestellt werden können, doch die bestehenden Instrumente reichen meines Erachtens noch nicht aus, um einer ausreichenden Anzahl von Existenzgründern den Einstieg in Unternehmen zu ermöglichen. Neben der Digitalisierung wird dieses Thema sicherlich auch auf der Agenda einer neuen – möglicherweise wirtschaftsliberaleren – Bundesregierung stehen müssen, damit neben  dem Fachkräftemangel nicht auch ein massiver Unternehmermangel die deutsche Wirtschaft hemmt.